FREIE WÄHLER für den Erhalt der historischen Judengasse in Kassel

In Kassel-Wesertor wird wegen eines Bauvorhabens eine denkmalschutzrechtliche Grabung durchgeführt. Gefunden wurde ein Abschnitt der Judengasse, die auf das Jahr 1262 zurückgehen soll. In der Straße gab es nach Sekundärquellen eine Synagoge, eine Mikwe und einen Friedhof. Die Straße liegt im Winkel zwischen dem historischen Wall der Festung Kassels und dem Bezirk des historischen Ahnaberger Stiftes. Der Historiker Stölzel vermutet dort den fränkischen Königshof Konrad I. von 913. Der in der Grafschaft Friedrich von Luxemburgs liegende Meierhof gehörte 1008 zur Kaiserpfalz Kaufungen und wurde 1143 vermutlich von einer religiösen Kommunität bewohnt. Den Landgrafen von Thüringen übergeben, erhielt die Kommunität von Männern und Frauen die Regel des Augustinus, eine Kirche und den dort befindlichen Ort Cassella. In der Kirche lag fortan die Grablege der Grafen von Hessen. 1262 wurde Heinrich von Brabant als neuer Herr anerkannt und Kassel zur Residenz. Wo der Herzogssohn wohnte, ist nicht beschrieben worden. Auf dem Gelände des Stiftes, das durch eine Stadtmauer von der Judengasse getrennt war, erhielt auch die jüdische Gemeinde einen Friedhof. Über einen verschlossenen Eingang gelangte man von der Judengasse auf das Gelände. Die Gasse hatte nach dem Historiker Rudolf Hallo (1931) einen rechten Winkel. Ähnlich wie in Friedberg. Dieser ist jetzt freigelegt.
Unser Kreisvorsitzender und Stadtverordneter Christian Klobuczynski M.A., hatte bereits in der Bau- und Planungskommission 2021, im Ortsbeirat Wesertor 2023 und im Stadtparlament 2024 berichtet, dass sich im Grabungsgebiet vermutlich eine alte Synagoge, ein Friedhof und eine Mikwe befinden. Das Landesamt für Dankmalschutz hat in seinen Stellungnahmen zum Bebauungsplan ebenfalls auf die kulturhistorisch bedeutenden Bodendenkmäler und jüdische Kulturgüter verwiesen. Die vermuteten Standorte müssen nun untersucht werden. Ebenso der Bereich der alten Stadtmauer.
Durch Archäologen werden zur Zeit alle historischen Schichten ergraben und die Funde dokumentiert. Erst wenn man nur noch unberührten Boden findet, sollten die Grabungen enden. Wie vor dem Schloss Wilhelmshöhe, wo man unter einem Blumenbeet den Friedhof des ehemaligen Klosters fand, können sich im Boden noch Gebeine befinden. Richard III. von England, ein Zeitgenosse, wurde vor einigen Jahren unter einem Parkplatz gefunden. Ähliches gilt für den jüdischen Friedhof, der unter dem Hofpflaster liegen kann. Genetische Untersuchungen könnten also feststellen, ob Juden oder Franken dort bestattet wurden.
In der Reformation 1524, wurden die Juden aus Cassella ausgewiesen und das Stift Ahnaberg 1526 aufgehoben. Das Klostergebäude wurde Teil der Festung und die Synagoge vermutlich Wohnung einer Familie oder der Metzgergilde, die in der Gasse 1766 erwähnt wurde.
Auf dem Foto sieht man im Vordergrund das Hofpflaster des Freyhauses (nach 1702), in dem 1810 Georg Christian Henschel wohnte und sein Unternehmen gründete. Daneben das sehr gut erhaltene Straßenpflaster der Gasse, die neuzeitlich „Vor dem Ahnaberg“ genannt wurde. Unter den Steinen liegen nun ältere Schichten, die untersucht werden müssen. Dahinter das 1766 genannte „Metzgergildehaus“ und die Häuser Judengasse 1 bis 4.
Aus moralischen und ethischen Gründen, hat Christian Klobuczynski dem Bebauungsplan weder im Ortsbeirat noch in der Stadtverordnetenversammlung zugestimmt. Wie in Frankfurt oder Jerusalem muss es auch in Kassel eine Möglichkeit der Präsentation und des Gedenkens geben. Das geplante Gebäude soll eine Bodenplatte und Stützpfleiler erhalten, die in den Boden getrieben werden. Die gesammte Fläche würde dadurch perforiert. Mikwe und Gebeine könnten getroffen werden.